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Werkerassistenzsysteme: Nutzen, Funktionen, Vorgehen

Geschrieben von André Nimtz | 19. März 2026

Was ist ein Werkerassistenzsystem?

Die Industrie ist von manuellen Arbeiten geprägt. Sei es bei der Montage von Bauteilen oder bei der Wartung von Maschinen - der Mensch bleibt fester Bestandteil. Darum ist es von wesentlicher Bedeutung, ihn in seiner täglichen Arbeit zu bestmöglich zu unterstützen. Das ist die Aufgabe eines digitalen Werkerassistenzsystems.

Ein Werkerassistenzsystem hilft Ihren Werkern dabei, ihre Arbeit effizient und fehlerfrei durchzuführen. Im Kern besteht ein solches System aus einer Software, die dem Werker alle benötigten Informationen zu seinen Arbeitsschritten anzeigt. Gleichzeitig dokumentiert das System den gesamten Prozess.

Dabei bieten reine Software-Lösungen einen klaren Mehrwert gegenüber hardwaregebundenen Pick-by-Light-Systemen (oder auch Pick-by-Voice, Pick-by-Scan oder Pick-by-Vision). Die reine Software ist flexibler und unabhängig vom Arbeitsplatz einsetzbar, kann aber über entsprechende Schnittstellen an die gewünschte Hardware angebunden werden.

 

Was macht ein digitales Werkerassistenzsystem?

 
Ein digitales Werkerassistenzsystem ist so etwas wie der Sparringspartner eines Werkers. Es unterstützt an genau den Stellen, an denen die konkreten Aufgaben eines Werkers liegen. Und es entlastet ihn, indem es ihm Aufgaben erleichtert oder ganz abnimmt. Zu den Aufgaben eines Werkerassistenzsystems gehören:
  • die Anleitung und Unterstützung des Werkers, z.B. durch Schritt-für-Schritt-Anleitung
  • die Bereitstellung von Informationen zu seinen Aufgaben, z.B. Konstruktionszeichnungen
  • die Qualitätssicherung der Arbeitsschritte, z.B. durch Korrekturhinweise oder Prüfschritte
  • die (automatische) Datenerfassung, z.B. Prozessdatenerfassung oder Betriebsdatenerfassung
  • eine Berichtsfunktion, z.B. durch die automatische Erstellung von Protokollen
  • die Bereitstellung von Kommunikations-Tools, z.B. Feedback-Funktionen

 

Woraus besteht ein digitales Werkerassistenzsystem im Wesentlichen?

Aus den Aufgaben eines Werkerassistenzsystems ergibt sich ein grundlegendes Set an Funktionen, die jedes System mitbringen muss.

 

Ein fortschrittliches Werkerassistenzsystem kann noch mehr

 

Nutzerfreundlichkeit & Interaktivität

Ein fortschrittliches System zeigt nicht jedem Mitarbeitenden dieselben Informationen und Anweisungen an, sondern orientiert sich am Qualifikationsprofil. Indem das System nur die nötigen Informationen anzeigt, werden Ihre Mitarbeitenden nicht mit Informationen überfrachtet und dementsprechend mental entlastet.

Ein gutes System kann auch übergreifende Informationen wie zum Beispiel Arbeitsschutzbelehrungen zum Abruf in den entsprechenden Arbeitsanweisungen bereitstellen.

Zudem verfügen fortschrittliche Werkerassistenzsysteme über erweiterte Feedbackfunktionen, die eine nachhaltige Prozessoptimierung ermöglichen. So können z.B. Nachrichten an unterschiedliche Abteilungen direkt aus dem System geschickt oder Störgründe direkt erfasst werden. Das geht bei richtig guten Systemen soweit, dass sogar grundlegende Funktionalität eines BDE-Systems integriert sind: Der Werker kann während der Abarbeitung Produktivzeiten erfassen und bei Bedarf Arbeitszeiten korrigieren.

Hohe Flexibilität

Flexibilität beginnt mit Offenheit. Gute Werkerassistenzsysteme sind so offen, dass sie optimal in Ihre bestehende IT-Infrastruktur und in Ihre Unternehmensprozesse integriert werden können – sowohl im SaaS- als auch im on-premises-Betrieb.

Auch bei der Erstellung von Arbeitsanweisungen leisten gute Werkerassistenzsysteme mehr als nur die Abbildung linearer Abfolgen. Ein modernes System eröffnet vielfältige Wege der Prozessmodellierung. Das beginnt natürlich bei einfachen Checklisten, geht aber bis hin zu komplexen Prozessen mit Abhängigkeiten und Verzweigungen.

Fortschrittliche Systeme spielen sogar in-process-Qualitätsprüfungen als dynamisch integrierte Prüfschritte aus und ermöglichen so ein besonders hohes Maß an Qualitätssicherung in sensiblen Abläufen.

Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Anforderungen

Ein gutes Werkerassistenzsystem hat nicht nur den Werker im Blick – sondern auch den Qualitätssicherer, den Industrievorarbeiter, den Wartungstechniker, etc. Es ist vielfältig in verschiedenen Unternehmensbereichen einsetzbar und hilft dadurch bei der Abschaffung von Insellösungen.

Dadurch kann sich das Werkerassistenzsystem als einheitliche Informationsplattform für die abteilungsübergreifende Nutzung etablieren. Das wiederum hilft bei der Demokratisierung von Daten in produktionsrelevanten Unternehmensbereichen.

Achten Sie dabei besonders darauf, dass sich das System Ihren Prozessen und Ihrer Sprache anpassen kann und nicht umgekehrt. Gute Systeme bilden die kundenindividuelle Fachdomäne mit Hilfe von Prozessdaten schnell und vollumfänglich ab.

Skalierbarkeit & Zukunftsfähigkeit

Wenn Ihr Unternehmen wächst, sollte Ihr Werkerassistenzsystem nicht auf der Strecke bleiben. Gute Systeme wachsen mit und ermöglichen z.B. den Einstieg mit wenigen Lizenzen oder ohne explizite Integrationen. Ist die Zeit reif für mehr Durchgängigkeit, skalieren Sie mit dem bestehenden System einfach entsprechend Ihrer Anforderungen.

Mit der Skalierbarkeit kommt automatisch auch die Zukunftsfähigkeit des Systems, vor allem, wenn das Werkerassistenzsystem auf eine moderne Architektur und modulare Erweiterbarkeit setzt. 

 

Die 4 wichtigsten Gründe für den Einsatz von Werkerassistenzsystemen

Die moderne, variantenreiche Fertigung stellt Werker vor besondere Herausforderungen. Sie müssen die unterschiedlichsten Prozesse sicher und fehlerfrei abarbeiten. Dabei setzt jeder Prozess unterschiedliches Wissen voraus und verlangt ein ständiges Umstellen des Werkers. Je kleiner die Losgrößen, desto mehr wird der Faktor Mensch zur potenziellen Fehlerquelle. Werkerassistenzsysteme bringen Ihnen hier einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Warum? Wir haben vier wichtige Gründe für Sie zusammengefasst:

Aufwandsreduktion in der Arbeitsvorbereitung

Vor jedem Auftrag oder gar Arbeitsschritt muss der Werker die benötigten Dokumente zusammentragen oder gedruckte CAD-Zeichnungen korrekt interpretieren und die richtigen Informationen für die Bearbeitung herausfiltern. Das frisst Zeit, beeinträchtigt die Produktivität und steigert das Fehlerrisiko. Mit einem Werkerassistenzsystem beugen Sie all dem vor, indem Sie Ihren Werkern stets die benötigten Informationen zum jeweiligen Arbeitsschritt digital zur Verfügung stellen.

Fehler vermeiden bei manuellen Tätigkeiten

Ein Werkerassistenzsystem hilft Ihnen dabei, Fehler bei Montage- oder anderen Fertigungsprozessen effektiv zu vermeiden, indem es Ihren Mitarbeitenden eindeutige und unmissverständliche Arbeitsanweisungen an die Hand gibt. Es hält bei jedem Arbeitsschritt die benötigten Informationen bereit, sichert die korrekte Prozessreihenfolge und integriert Prüfschritte in den Prozess. Dadurch sparen Sie sich aufwändige Nacharbeiten und zusätzliche Kosten für Reklamationen.

Dokumentationsaufwand reduzieren

In der Produktion gehören eine durchgängige Dokumentation und immer häufiger auch Nachweispflichten sowie die damit verbundenen Aufwände und Kosten zum Tagesgeschäft. Auch hierbei unterstützen Werkerassistenzsysteme, indem sie die Tätigkeiten Ihrer Werker automatisch digital protokollieren. Prüf- und Messwerte geben Ihre Mitarbeitende direkt im System ein und müssen nicht umständlich im Nachgang übertragen werden.

Deutlich vereinfachte Anlernprozesse

Ganz gleich, ob Sie eine neue Kollegin anlernen oder einen Werker in einen neuen Prozess einführen wollen: Die Anlernphase kostet Zeit und blockiert auch den erfahrenen Mitarbeitenden, der das Anlernen übernimmt. Unterstützen Sie Ihre Werker mit einem Werkerassistenzsystem und reduzieren Sie Anlernzeiten deutlich, indem Sie detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Verfügung stellen. Dadurch stellen Sie ein konstant hohes Anlernniveau sicher und Ihre Werker sind schneller produktiv.

Jenseits davon gibt es noch viele weitere Argumente, die für den Einsatz eines Werkerassistenzsystems in Ihrem produzierenden Unternehmen sprechen:

  • effiziente Gestaltung komplexer und variantenreicher Montageprozesse
  • Verringerung der Auftragsdurchlaufzeiten
  • sofortige Fehlererkennung und Fehlerbehebung
  • spürbare Entlastung für Mitarbeitende
  • durchgehend hohe Prozesssicherheit und Qualität im Produktionsprozess
  • hundertprozentige Transparenz der Werkstück-Historie

 

In welchen Bereichen findet ein Werkerassistenzsystem Einsatz?


Montage

Für die Montage in der Produktion ist ein Werkerassistenzsystem prädestiniert, denn gerade hier gehören manuelle Prozesse zur täglichen Arbeit. Ein digitaler Assistent gibt Ihren Werkern eindeutige Arbeitsanweisungen an die Hand und stellt die benötigten Informationen zur Verfügung. Zusätzliche Prüfschritte am Arbeitsschritt tragen dazu bei, Fehler bereits bei der Montage zu erkennen und zu vermeiden.

 


Instandhaltung

Hier spielen flexible, arbeitsplatzunabhängige Werkerassistenzsysteme ihre Stärken aus. Der Instandhalter erhält maschinenspezifische Arbeitsaufträge mit allen relevanten Informationen z. B. auf ein Tablet und gibt erhobene Daten digital zurück. Papierbasierte Prozess entfallen, Fehler bei Arbeitsvorbereitung und Datenübertragung werden reduziert. Dadurch sparen Sie wertvolle Zeit.

 

 

Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen

Mit einem guten Werkerassistenzsystem bilden Sie problemlos Inbetriebnahmeprozesse ab. Geben Sie Ihrem Personal ein standardisiertes Vorgehen an die Hand, das je nach Maschinentyp vollständig individualisierbar ist. Während der Abarbeitung des Workflows dokumentiert das System alle Schritte und stellt eine durchgängig digitale Nachweisführung sicher.

 

 

Qualitätssicherung

Für die Qualitätssicherung bietet ein Werkerassistenzsystem gleich auf mehreren Ebenen wertvolle Ansätze. Durch die nahtlose Integration von Prüfschritten innerhalb der Arbeitsanweisung ist eine sofortige Fehlererkennung und -behebung möglich – Stichwort Werkerselbstprüfung. Die während der Abarbeitung erfassten Daten geben detaillierte Einblicke in Eingabe- und Messwerte und dank automatischer Dokumentation hilft ein Werkerassistenzsystem bei der Erfüllung von Nachweispflichten.

 

 

Anlernen von Mitarbeitenden

Dank Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist ein Werkerassistenzsystem prädestiniert für das Anlernen von Mitarbeitenden – entweder bei Neueinstellungen oder beim Anlernen in neue Prozesse. Gute Systeme passen sich dabei an die Qualifikation des Nutzers an, sodass im Idealfall keine Betreuung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen nötig ist. Die erfahrenen Mitarbeitenden wiederum können ein Werkerassistenzsystem zur Wissenssicherung und zum Wissenstransfer nutzen.

 

Werkerassistenzsysteme in der Praxis


Alpha Verteilertechnik: Werkerassistenz im Schaltschrankbau

Mit Varianten aus tausenden von Bauteilen und Baugruppen ist die Montage von Schaltschränken eine echte Herausforderung für jeden Werker bei Alpha Verteilertechnik. Er muss unter anderem:

  • die Positionierung des korrekten Bauteils sicherstellen
  • elektrische und mechanische Werte beachten
  • und das richtige Drehmoment wählen.

Der Werker muss sich alle Informationen, die er für die Abarbeitung seines Auftrags benötigt, aus Zeichnungen, Stücklisten und Papierordnern zusammenstellen. Vertauschte oder vergessene Bauteile und falsch zugeordnete Drehmomente sind keine Seltenheit. Mit der Einführung unseres Werkerassistenzsystems weasl hat Alpha Verteilertechnik an den kritischsten Punkten angesetzt und eine signifikante Entlastung für die Werker geschaffen. Das Werkerassistenzsystem:

  • leitet den Werker Schritt-für-Schritt durch den Montageprozess.
  • liefert alle Informationen automatisch vorausgewählt und richtig zugeordnet, sodass der Mitarbeitende sich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren kann.
  • sichert die gewünschte Produktqualität und reduziert dabei die Arbeitsvorbereitungszeit deutlich.


 


SCHOTT: Glasbearbeitung mit Hilfe eines Werkerassistenzsystems

Für SCHOTT als Hersteller von Hightech-Werkstoffen rund um Spezialglas ist die fehlerfreie Ausführung von komplexen und anspruchsvollen Bearbeitungsprozessen essenziell, um eine durchgehend hohe Produktgüte sicherzustellen. Dazu gehören unter anderem:

  • regelmäßige Tests und Messungen während des langwierigen CNC-Bearbeitungsprozesses
  • Dokumentation der Tests am Maschinenterminal

Mit der Einführung unseres Werkerassistenzsystems weasl verfolgte SCHOTT das Ziel, Excel-basierte Papieranweisungen abzuschaffen und direkte Rückmeldemöglichkeiten für die Werker zu etablieren. Dank der Offenheit des Systems und der hohen Flexibilität hat SCHOTT wesentliche Potenziale heben können. Dazu gehören:

  • die Abschaffung von Papieranweisungen
  • die Bereitstellung aller Informationen zum Einrichten der Maschine, inkl. Hinweise über das System
  • die Sicherstellung der hohen Qualitätsvorgaben
  • die automatische Dokumentation der erfassten Eingabewerte und damit eine bessere Nachweisfähigkeit
  • eine direkte Rückmeldung des Bearbeitungsauftrags an führende Systeme

 

 

 

So führen Sie ein Werkerassistenzsystem in Ihrer Produktion ein

Wie bei der Einführung jeder Digitalisierungslösung in Ihrem Unternehmen sollten Sie bestimmte Punkte beachten, die Sie zum idealen Werkerassistenzsystem führen. In diesem Fall möchten wir aber eine zweite Perspektive betonen, die eine besondere Rolle bei der Akzeptanz des Systems spielt: Ihre Werker. Wenn Sie ein Werkerassistenzsystem in Ihre Produktion einführen möchten, zählt nicht nur der Blick auf die Lösungsfindung, sondern in besonders hohem Maße auch der Blick auf die Werkerakzeptanz.

Der Blick auf die Lösungsfindung

 

Der Blick auf die Werkerakzeptanz