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Glossar >  EN 1090

EN 1090

weasl Autorin Maren Fichtner
Autorin: Maren Fichtner  |  27. August 2026

Definition: Was ist EN 1090?

EN 1090 ist eine europäische Normenreihe, die Anforderungen an die Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken sowie die zugehörige werkseigene Produktionskontrolle festlegt. Sie gliedert sich in EN 1090-1 (Anforderungen an die Konformitätsbewertung für die CE-Kennzeichnung), EN 1090-2 (Ausführung von Stahltragwerken) und EN 1090-3 (Ausführung von Aluminiumtragwerken) und ist die zentrale Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung tragender Stahl- und Aluminiumbauteile in der EU.

Herausgeber: Europäisches Komitee für Normung (CEN)

Ausgaben: DIN EN 1090-1:2012, DIN EN 1090-2:2018, DIN EN 1090-3:2019

Für wen gilt EN 1090?

Die Normenreihe gilt für Hersteller tragender Bauteile aus Stahl und Aluminium, die diese als Bauprodukte in der EU in Verkehr bringen – vom Stahlbauunternehmen über den Metallbaubetrieb bis zum Anlagenbauer, der tragende Stahlkonstruktionen für Industrieanlagen fertigt. Betroffen sind sowohl Konstruktionsbüros, die die Bemessung durchführen, als auch die ausführenden Betriebe in Fertigung und Montage.

Kernanforderungen im Überblick

  • Ausführungsklassen (EXC 1–4): Einstufung nach Sicherheitsrelevanz und Versagensfolgen des Bauwerks

  • Werkseigene Produktionskontrolle (WPK): dokumentiertes System zur Sicherstellung gleichbleibender Fertigungsqualität

  • Schweißkoordination: Nachweis nach ISO 3834 und Einsatz qualifizierter Schweißer nach ISO 9606

  • Werkstoffnachweise: Materialzeugnisse nach EN 10204 für alle eingesetzten Stähle und Aluminiumlegierungen

  • Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit: eindeutige Bauteilkennzeichnung über den gesamten Fertigungs- und Montageprozess

  • CE-Kennzeichnung: Ausstellung der Leistungserklärung (DoP) auf Basis der bestandenen Konformitätsbewertung

Unterschied zur ISO 3834

EN 1090 regelt umfassend die gesamte Ausführung eines Stahl- oder Aluminiumtragwerks – von der Konstruktionsdokumentation über die Fertigung bis zur Montage vor Ort. ISO 3834 fokussiert dagegen speziell auf die Qualitätsanforderungen beim Schmelzschweißen. Da Schweißverbindungen bei tragenden Stahlkonstruktionen sicherheitskritisch sind, verweist EN 1090-2 direkt auf ISO 3834: Ein zertifiziertes Schweißqualitätsmanagement nach ISO 3834 ist damit in der Praxis eine Voraussetzung, nicht aber der einzige Baustein, um die EN-1090-Zertifizierung zu erreichen.

Konsequenzen bei Nichteinhaltung

Ohne gültige EN-1090-Zertifizierung und CE-Kennzeichnung dürfen tragende Stahl- oder Aluminiumbauteile in der EU nicht in Verkehr gebracht werden. Bauaufsichtsbehörden können den Einbau untersagen. Da EN 1090 unmittelbar die strukturelle Sicherheit von Bauwerken betrifft, führen Mängel in der werkseigenen Produktionskontrolle oder der Schweißqualität bei Zertifizierungsaudits zu schwerwiegenden Abweichungen und im Wiederholungsfall zum Zertifikatsentzug, was die Lieferfähigkeit für laufende Bauprojekte unmittelbar gefährdet.

Verwandte Normen

  • ISO 3834 – Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen

  • ISO 9606 – Prüfung von Schweißern

  • EN 10204 – Werkstoffzeugnisse und Materialnachweise

  • ISO 9001 – Basis-Qualitätsmanagementnorm

Häufige Fragen zu EN 1090

Ist EN 1090 gesetzlich vorgeschrieben?

Ja, indirekt über die EU-Bauproduktenverordnung, die die CE-Kennzeichnung tragender Bauteile verpflichtend macht.

Was sind die Ausführungsklassen?

EXC 1 bis EXC 4, gestaffelt nach Sicherheitsrelevanz und möglichen Versagensfolgen des Bauwerks.

Was ist der Unterschied zu ISO 3834?

EN 1090 regelt die gesamte Ausführung des Tragwerks, ISO 3834 speziell die Schweißqualität als Teilbereich davon.

Wer stellt die WPK sicher?

Der Hersteller selbst, überwacht durch eine zugelassene Zertifizierungsstelle je nach Ausführungsklasse.

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