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Glossar > IPC-7711/21

IPC-7711/21

weasl Autorin Maren Fichtner
Autorin: Maren Fichtner  |  8. Oktober 2026

Definition: Was ist IPC-7711/21?

IPC-7711/21 ist ein kombinierter Standard des IPC-Verbands (Association Connecting Electronics Industries), der die Verfahren für Rework, Reparatur und Modifikation von Leiterplattenbaugruppen definiert. Er beschreibt Schritt für Schritt, wie fehlerhafte oder zu ändernde Bauteile, Lötstellen und Leiterbahnen fachgerecht bearbeitet werden, ohne die Zuverlässigkeit der Baugruppe zu gefährden.

Herausgeber: IPC – Association Connecting Electronics Industries

Aktuelle Ausgabe: IPC-7711/7721D

Für wen gilt IPC-7711/21?

Der Standard richtet sich an Elektronikfertiger, EMS-Dienstleister und Gerätehersteller, die Rework, Reparatur oder Modifikation an bestückten Leiterplatten durchführen – von der SMT-Nacharbeit nach AOI-Prüfung bis zur nachträglichen Designänderung an bereits gefertigten Baugruppen. Besonders relevant ist er in Branchen mit hohen Zuverlässigkeitsanforderungen wie Automotive, Luftfahrt und Medizintechnik, wo Rework-Prozesse häufig vertraglich gefordert und im Audit geprüft werden.

Kernanforderungen im Überblick

  • Drei Bearbeitungsarten: Rework, Reparatur und Modifikation mit jeweils eigenen Verfahren

  • Bauteilausbau und -wiedereinbau: definierte Temperaturprofile und Werkzeuge je Bauteiltyp Leiterbahn- und Padreparatur: Verfahren für beschädigte Leiterbahnen, Lötaugen und Durchkontaktierungen

  • Konforme Beschichtung: Umgang mit Conformal Coating vor und nach dem Rework

  • Materialverträglichkeit: Vorgaben zu Flussmitteln, Loten und Reinigungsverfahren

  • Personalqualifikation: Schulung und Zertifizierung der ausführenden Mitarbeitenden

Unterschied zu IPC-A-610

IPC-A-610 legt die Akzeptanzkriterien für die Qualität elektronischer Baugruppen fest – also, wie ein korrekt gefertigtes Bauteil am Ende auszusehen hat, unterteilt in die Klassen 1 bis 3. IPC-7711/21 beschreibt dagegen den Weg dorthin, wenn eine Baugruppe diesen Zustand zunächst nicht erreicht: die konkreten Arbeitsschritte, um einen Fehler zu beheben oder eine Änderung durchzuführen. Beide Standards werden in der Praxis gemeinsam angewendet, da das Rework-Ergebnis nach IPC-7711/21 am Ende wieder die Kriterien von IPC-A-610 erfüllen muss.

Konsequenzen bei Nichteinhaltung

Unsachgemäßer Rework ohne definierte Temperaturprofile oder mit ungeeigneten Werkzeugen kann Bauteile thermisch schädigen oder Lötstellen unsichtbar schwächen – Fehler, die oft erst im Feldeinsatz auftreten. Bei sicherheitskritischen Baugruppen in Automotive, Luftfahrt oder Medizintechnik führt fehlende oder lückenhafte Rework-Dokumentation zudem direkt zu Abweichungen in Kundenaudits und kann die Lieferantenfreigabe gefährden.

Verwandte Normen

  • IPC-A-610 – Akzeptanzkriterien für elektronische Baugruppen

  • IPC J-STD-001 – Anforderungen an gelötete elektrische und elektronische Baugruppen

  • IATF 16949 – Qualitätsmanagementsystem für die Automobilindustrie

  • RoHS – Stoffbeschränkung in Elektro- und Elektronikgeräten

Häufige Fragen zu IPC-7711/21

Ist IPC-7711/21 gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Der Standard wird von Kunden vertraglich gefordert, ist aber keine gesetzliche Pflicht.

Was ist der Unterschied zu IPC-A-610?

IPC-A-610 definiert den gewünschten Endzustand, IPC-7711/21 beschreibt die Verfahren, um diesen nach einem Fehler wiederherzustellen.

Was unterscheidet Rework, Reparatur und Modifikation?

Rework korrigiert nach Originaldesign, Reparatur weicht davon ab (z. B. Jumper), Modifikation ist eine gewollte Designänderung.

Wer darf Rework durchführen?

Mitarbeitende mit entsprechender IPC-Zertifizierung, meist als Certified IPC Specialist (CIS).

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